Das Erscheinungsbild des rollenden Materiales der

ehemaligen Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahnverwaltung.


Jürgen Steenken

Grundsätzlich lehnte sich die Großherzoglich Oldenburgische Staatseisenbahn (GOE) eng an die Bestimmungen der Königlich Preußischen Staats-Eisenbahnen (KPEV) an. Dies geht zweifelsfrei aus dem Schriftverkehr der GOE mit div. Herstellern hervor.

Einleitende Gedanken

Meiner Meinung nach gibt es nicht "den einen" richtigen Farbton, noch hat es ihn damals gegeben. Die damaligen Herstellern hatten Musterplatten mit der Richt- bzw "Normal-Farbe", wie sie z.B. im Deutschen Technik Museum in Berlin ausgestellt sind. Nach diesen wurden die jeweilige Anstrichfarbe angemischt bzw. farblich abgestimmt. Man kann sich dieses in etwa so vorstellen wie mir das Prozedere bei der Rostschutzfarbe auf Deutschen Werften der Wirtschaftswunderzeit geschildert wurde: "Wir haben in die (teure) Mennige so lange (billige) weiße Farbe geschüttet bis das Resultat noch als Rot zu bezeichnen war." Bei der Ermittlung des genauen Farbtones mittels Vergleich mit RAL- oder sonstigen Norm-Farbtönen oder nunmehr sogar mittels Raster-Elektronen-Mikroskop und ähnlichen technisch aufwendigen Methoden, ist Vorsicht geboten. Zum einen verändert sich eine Farbe schon von sich aus (chem. Prozesse/Zerfall), zum anderen wird sie durch äußere Einflüsse verändert (Licht, Verwitterung und sonstige Umwelteinflüsse). Auch ist nicht unbedingt garantiert, daß damals "der richtige" Farbton aufgetragen worden ist. Zu den teilweise recht unkritisch herangezogenen Modellen sei nur bemerken, daß diese damals nicht dazu geschaffen wurden um in 60 und mehr Jahren Nieten zählenden Modellbahnern Farbtöne zu vermachen sondern den damaligen Ausstellungsbesuchern einen Eindruck vom Aussehen der Eisenbahn zu geben. Die Wirkung war wichtig, nicht die exakte Farbe. Ganz zu schweigen von der "Ausstellungs-Vergangenheit". In den letzten hundert Jahren hat sich mehrfach die Lehrmeinung über die Erhaltung und Pflege von Objekten geändert. Dieses ging zwischen Zurückversetzung in den Ursprungs- bzw. Auslieferungszustand über Erhaltung im letzten Betriebszustand bis zu dem heutigen "ja nichts dran herumfummeln". Die Farben, die damalige Modelle heute tragen, und somit auch die daraus abgeleiteten RAL-Farbtöne, sind demzufolge nur als ungefähr, aber nicht absolut zu verstehen.

Dies alles ist meine ganz persönliche Meinung, man kann sie teilen, muß es aber nicht. Ich neige eher dunklen Farbtönen zu, da bei diesen Verschmutzungen nicht so sehr auffallen wie bei hellen. Gerade dieses wurde durchgängig in der zeitgenössischen Literatur  gefordert. Zusammenfassend gibt es deshalb für mich nur glaubhafte und weniger glaubhafte Farbtöne.

Alle Angaben auf dieser Seite sind als vorläufig und dem momentanen Wissensstand entsprechend zu verstehen und befinden sich in andauernder Überarbeitung. Da ich noch eine kleine Nebenbeschäftigung habe (Beruf) kann dies mitunter etwas länger dauern. Für Hinweise, Anregungen und sachliche Kritik bin ich immer empfänglich. (SteenkenJ(ät)yahoo.de)

Die Anstriche und Beschriftungen

Lokomotiven

Anstrich

Was Farbe ca. RAL
Aufbauten und Zylinder grün (6020 Chromoxidgrün) / 6008 Braungrün 
Rauchkammer schwarz 9005 Tiefschwarz
Rahmen und Räder rot 3002 Kaminrot
Radreifen schwarz 9005 (nicht durchgängig, umstritten)
Triebwerk blank (Anstrich der Stangennut nicht immer vorh.)

Im Deutschen Museum in München steht zwar die Lokomotive 11 "Landwürden", da diese jedoch 1900 vom Hersteller Krauss zurück erworben und von diesem dem Deutschen Museum als Ausstellungsstück überlassen wurde, muß das heutige Aussehen kritisch gewürdigt werden. Es darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß Krauss die Lok vor Übergabe "hergerichtet" hat. Ob dieses gemäß der Oldenburgischen Vorschriften geschah ist nicht als gesichert anzunehmen. Für Krauss dürfte die Lok, seine erste, primär Werbeträger für seine Produkte und weniger historisches Zeugniss gewesen sein.

Beschilderung

Bilder von Oldenburgischen Lokomotiven zeigen nicht immer alle der nachstehend wiedergegebenen Schilder. Der Autor geht davon aus, das entsprechend der gesetzlichen Vorschriften, bis 1904 nur Nummernschild und Namensschild, da diese allein von Bahnamtlichen Interesse waren, angebracht waren. Erst die EBO vom 4. November 1904 forderte nunmehr ein Eigentumsschild, Name oder Ordnungsnummer, Fabrikschild mit Angabe des Namen des Fabrikanten, der Fabriknummer und des Jahr der Anfertigung. Die Angabe der größten, nach Maßgabe der Bauart, zulässige Geschwindigkeit war bereits vorhergefordert worden und war wohl im Führerstand angebracht. Das wohl gleichzeitig eingeführte Vorratsschild dürfte entweder auf bahnamtliche Initiative zurückgehen oder seinen Ursprung wie das Leistungszeichen in den Anforderungen im Dunstkreis der Militär-Transport-Ordnung bzw. der Militär-Eisenbahn-Ordnung haben, was noch zu klären ist.


1. Eigentumsschild "GOE"
Originalgröße 240x170 mm, Rotgus, Seitenwand Führerstand


2. Nummernschild
Originalgröße 300x148 mm, Rotguß, Rauchkammer

3. Namensschild
Originalgröße X x148 mm, Rotguß, Langkessel

4. Altersschild (Beschaffungsjahr)
Originalgröße 100x50 mm, Rotguß, Rauchkammer

 
5. Vorratsschild
Originalgröße etwa wie Nummernschild, Rotguß, Tender

 
6. Fabrikschild
Originalgröße ca 219x137 mm, Rotguß, Seitenwand Führerstand


7. Leistungszeichen
Originalgröße 100x100 mm, Rotguß,
gem. Preußischer Vorschift
Seitenwand Führerstand unterhalb Eigentumsschild

Es wurden bis auf die Schilder 2 (Nummernschild) und 4 (Altersschild) je zwei Stück angebracht. Die Anbringung der Schilder war, wie diverse zeitgenössische Aufnahmen erkennen lassen, insbesondere bei Tenderloks, nicht einheitlich und vollständig.
Da auf der Aufnahme von Nr. 113 "Stier" nur Nummernschild und Namensschild erkennbar sind, dürfte die Aufnahme vor dem Inkrafttreten der EBO v. 4. November 1904 am 1. Mai 1905 entstanden sein. Auf der Aufnahme selbst ist kein Datum vermerkt.

Nr. 113 "Stier"

Nr. 197 "Igel"
unbeschriftet, noch nicht fertig
Bausatz Westmodell

Nr. 266 "Berlin"
unvollständig beschriftet, zu helle Farbe
Fertigmodell Westmodell

 

Personen-Wagen

Anstrich

wie Preußen

Was

Farbe

ca. RAL

Dach   weiß, dürfte sich mit der Zeit in Dungelgrau verändert haben.
Wagenkasten 1. Klasse grün mit gelber Einrahmung (1007 Narzissengelb)
  2. Klasse grün 6007 Flaschengrün / 6006 Grauoliv
  3. Klasse braun 8017 Schokoladenbraun / 8011 Nussbraun
  4. Klasse grau (7003 Moosgrau)
  Packwagen rotbraun (8012 Rotbraun)
Fahrwerk   schwarz  
Räder      

Die angegebenen Farben sind Ableitungen aus einem Vertrag der GOE im Auftrag der Kleinbahn Lohne Dinklage mit dem Wagenhersteller aus dem Jahre 1904, in dem ausdrücklich auf die Vorschriften und Farbtöne der KPEV verwiesen wird. Die angegebenen RAL-Farben stammen aus eigenen Abgleiche mit Modellen im Deutschen Technikmuseum Berlin. Die Farbnummern in Klammern stammen aus neueren Sekundärquellen.

Ci (C3i Old14)
unbeschriftet
Bausatz Perlmodell

Anschriften

wie Preußen, allerdings mit Anschrift "Oldenburg" unter Herzogskrone bzw. ab etwa 1.5.1905 mit Anschrift "Oldenburg" unter kleinem Oldenburgischen Staatswappen anstelle des "KPEV"-Emblem als Eigentumsmerkmal

 

Güter-Wagen

Anstrich

vor 1.1.1911

Was

Farbe

ca. RAL

Dach   weiß, dürfte sich mit der Zeit in Dungelgrau verändert haben.
Wagenkasten G braunrot (RAL 3005)
  O braunrot (RAL 3005)
  Priv. gem. Übereinkunft/Vertrag  
Fahrwerk   schwarz  
Räder      

nach dem am 1.1.1911 gültig werden der Übereinkünften des Verbandes Deutscher Eisenbahnverwaltungen (Staatsbahn-Wagen-Verband / VDEV) glich Oldenburg seine Farbgebung an.

Was

Farbe

ca. RAL

Dach   weiß, dürfte sich mit der Zeit in Dungelgrau verändert haben.
Wagenkasten G rotbraun (RAL 8012)
  O rotbraun (RAL 8012)
  Priv. gem. Übereinkunft/Vertrag  
Fahrwerk   schwarz  
Räder      

O
Farbgebung vor 1911
lädiertes Fertigmodell Märklin
Privat-Fischwagen
Farbgebung und Beschriftung diskutabel
Fertigmodell Trix
Nm (Wärmeschutzwagen)
Farbgebung gem. VDEV
Fertigmodell Fleischmann

Anschriften

wie Preußen, allerdings mit Anschrift "Oldenburg" unter Herzogskrone anstelle des "KPEV"-Emblem als Eigentumsmerkmal, auch nach 1905. Eingestellte Privat-Güterwagen führten den Schriftzug "Oldenburg" ohne Krone.